Seit dem 1. August 2026 gilt die DIN EN IEC 81355-1. Sie löst die DIN EN 61355-1 ab, nach der seit fast 30 Jahren Dokumentenart-Klassenschlüssel wie &EFS für Stromlaufpläne oder &EMA für Klemmenpläne vergeben werden. Die neue Norm ist aber mehr als eine Überarbeitung der Tabellen: Sie klassifiziert nicht mehr Dokumente, sondern Informationen. In diesem Beitrag zeigen wir, was sich gegenüber der Vorgängernorm ändert und was das für Ihre Eplan-Projekte bedeutet.

Die Norm auf einen Blick

Norm DIN EN IEC 81355-1:2026-08 (IEC 81355-1:2024)
Titel Industrielle Systeme, Installationen, Ausrüstungen und Industrieprodukte – Klassifikation und Kennzeichnung von Informationen – Teil 1: Grundregeln und Klassifikation von Informationen
Vorgänger DIN EN 61355-1:2009-03 (davor DIN EN 61355:1997-11)
Anwendungsbeginn 01.08.2026
Übergangsfrist Die DIN EN 61355-1 darf noch bis 31.01.2028 angewendet werden

Vom Dokument zum Informationscontainer

Der Kern der Änderung steckt schon im Titel: Aus „Klassifikation und Kennzeichnung von Dokumenten“ wird „Klassifikation und Kennzeichnung von Informationen“.

Die DIN EN 61355-1 hat mit dem DCC (Dokumentenart-Klassenschlüssel) die Art eines Dokuments klassifiziert. Die DIN EN IEC 81355-1 klassifiziert mit dem ICC (Informationsart-Klassifikationscode) die Information nach ihrem inhärenten Inhalt – unabhängig davon, in welcher Form, in welchem System oder von welcher Fachdisziplin sie erstellt wurde. Aus dem Dokument wird der Informationscontainer, und das Kennzeichen heißt folgerichtig Informationscontainerkennzeichen.

Das passt zur Entwicklung der letzten Jahre: Informationen liegen längst nicht mehr nur als gedrucktes Dokument vor, sondern als Datensatz, 3D-Modell, Datenbankauszug oder Verwaltungsschale.

Die Änderungen im Überblick

Aspekt DIN EN 61355-1 DIN EN IEC 81355-1
Klassifiziert wird die Dokumentenart die Informationsart nach ihrem inhärenten Inhalt
Schlüssel DCC ICC
Aufbau & + A1 + A2 + A3, optional Zählnummer (max. dreistellig) & + L1 + L2 + N, Nummer erforderlich
Technischer Bereich A1 (A, B, C, E, M, P) entfällt
Hauptklassen A, B, C, D, E, F, L, M, P, Q, T, W A, B, C, D, F, L, M, P, Q, R, T, W
Frei für Anwender je Hauptklasse eine Klasse (AZ … WZ) gestrichen
Mischdokumente als ein Dokument klassifiziert getrennte Informationscontainer je ICC, zusammengefasst in einer Struktur
Verschachtelung – mehrstufige Informationscontainer, z. B. &AB1&AB2&DA1
Verweis auf einen Teil Seitenzählung mit „/“ Teilverweisung mit „/“ auf Seite, Spalte, Zeile oder Koordinate
Darstellungsform informativ (Tabelle B.1) Zusatzinformation in Klammern, z. B. &LH1(L)

1. Der technische Bereich (A1) entfällt

Die erste Stelle des DCC hat den technischen Bereich angegeben: E für Elektrotechnik, M für Maschinenbau, B für übergeordnete Technologie usw. Diese Stelle wurde gestrichen, weil sie nach Auffassung des Normungsgremiums technisches Silodenken begünstigt und für den Informationsaustausch zwischen den Parteien keinen zusätzlichen Nutzen bringt.

Aus &EFS (Elektrotechnik, Schaltkreisdokument) wird damit &FS1 (Stromkreisinformation Nr. 1). Ob eine Seite zur Elektrotechnik oder zur Fluidtechnik gehört, steht nicht mehr im Klassenschlüssel. Diese Zuordnung gehört in die Objektstruktur nach DIN EN IEC 81346 – oder, auf dem Normblatt sichtbar gemacht, in einen Gewerkeschlüssel.

2. Die Nummer wird Pflicht

Nach DIN EN 61355-1 war die Dokumentenzählnummer freigestellt. Im Informationscontainerkennzeichen ist die Nummer (N) nun ein erforderlicher Bestandteil. Sie unterscheidet Informationscontainer derselben Klasse im selben Kontext und darf – einschließlich voranstehender Nullen – keine spezifische Bedeutung haben.

Aufbau des Kennzeichens am Beispiel &FS1:

Position Bezeichnung Beispiel Bedeutung
1 Vorzeichen & Beginn eines Informationscontainerkennzeichens
2 L1 – Einstiegsklasse F Funktionsinformation
3 L2 – Unterklasse S Stromkreisinformation
4 N – Nummer 1 laufende Nummer ohne Bedeutung

3. Informationscontainer werden Objekten zugeordnet

Die Norm beschreibt ausdrücklich die Kombination mit dem Objektkennzeichen: =A1 &FS1 ist die Stromkreisinformation Nr. 1 des Objekts =A1. Einem Objekt können mehrere Informationscontainer zugeordnet sein (=A1 &DA1, =A1 &FS1, =A1 &LH1), und ein Informationscontainer kann zu mehreren Objekten gehören (=A1 &DA1, =A2 &DA1). Das Kennzeichen muss jeweils im betrachteten Kontext eindeutig sein.

4. Mischdokumente werden aufgelöst

Enthält ein Informationscontainer mehrere Informationsarten – nach alter Lesart ein Mischdokument –, müssen für jeden ICC getrennte Informationscontainer festgelegt und zu einer Informationscontainerstruktur zusammengefasst werden.

5. Mehrstufige Informationscontainer

Informationscontainer dürfen andere Informationscontainer enthalten, etwa wenn die Dokumentation eines Zulieferers in die des Lieferanten integriert wird. Jeder Teil erhält ein eigenes Kennzeichen, zur Verweisung werden die Kennzeichen verkettet. Das „&“ zwischen den Kennzeichen darf durch einen Punkt ersetzt werden:

  • &AB1&AB2&DA1
  • &AB1.AB2.DA1

6. Teilverweisungen statt reiner Seitenzählung

Auf einen bestimmten Teil eines Informationscontainers wird mit „/“ verwiesen. Verwendet werden Buchstaben (A bis Z ohne I und O), Ziffern oder eine Kombination. Das ist nicht mehr auf Seiten beschränkt:

Kennzeichen Bedeutung
&FS1/5 Einstrich-Netzschema, Seite 5
&FS2/H3 Mehrstrich-Netzschema, Spalte H, Zeile 3
&DA1/C3 Datenblatt, Spalte 3
&LH1/LL23 Mechanische Anordnung, 23 mm von unten links

Das angewendete Verfahren muss in einem Dokument oder der Begleitdokumentation erläutert werden.

7. Darstellungsform als Zusatz in Klammern

Die Darstellungsform gibt an, in welchem Format der Inhalt für den Menschen dargestellt ist. Sie wird in Klammern hinter das Kennzeichen gesetzt, z. B. &LH1(L) für Informationen zur Anordnung, dargestellt als Zeichnung. Die Kennbuchstaben (Tabelle C.1): C Graphik, D Schema, G Bildform, L Zeichnung, M Lageplan, T Tabelle/Liste, X Textform.

8. Umbau der Klassen

Auch in den Klassen selbst hat sich einiges verschoben:

  • Hauptklasse E entfällt. Anforderungen und Auslegung wandern in die Hauptklasse D (Leistungsfähigkeitsinformation): EA → DG (behördliche Vorschriften), EB → DH (Normen), EC → DB / DC / PB, ED → DB.
  • Neue Hauptklasse R – Sicherheitsinformation. Sicherheitsbeschreibende Dokumente (QB) werden zu RA (Gesundheitsschutz), Objektschutzdokumente (BS) zu RD. Neu sind RB (Geräteschutz) und RC (Umweltschutz).
  • Qualität neu sortiert. Das Qualitätsmanagement (QA) wandert als BQ in die Managementinformation. In Q bleiben Validierung und Verifizierung (QC), neu sind QD (Qualitätsmaßnahmen) und QE (Konformität, z. B. Konformitätserklärung).
  • Weitere neue Klassen: BJ (Wirtschaftsinformation), BW (Informationskontrollmanagement, z. B. BIM- oder CAD-Handbuch, Beschreibung des Kennzeichnungssystems) und CJ (Besitzinformation).
  • Fluidpläne sind kein FS mehr. FS steht jetzt ausdrücklich für den elektrischen Fluss. Fluidschaltpläne und R&I-Fließschemata gehören zu FB (Flussinformation).
  • „Frei für Anwender“ gestrichen. Die bisherigen Anwenderklassen AZ … WZ gibt es nicht mehr. Wer eigene Klassen darauf aufgebaut hat, muss sie auf reguläre Klassen abbilden.

Was bedeutet das für Eplan-Projekte?

In Eplan steckt der Klassenschlüssel in der Strukturkennzeichenebene Dokumentenart (&). Die folgende Tabelle zeigt typische Seiten eines Eplan-Projekts mit ihrer bisherigen und ihrer neuen Kennzeichnung. Die Nummern sind laufende Nummern ohne Bedeutung.

Seite / Auswertung bisher (DIN EN 61355-1) neu (DIN EN IEC 81355-1)
Titel- / Deckblatt &BAA &AA1
Inhaltsverzeichnis &BAB &AB1
Strukturkennzeichenübersicht &BDB &DB1
Übersicht / Schaltplan einpolig &EFA &FA1
Schaltplan allpolig &EFS &FS1
Schaltplan Fluid (Hydraulik / Pneumatik) &MFS1 / &MFS2 &FB1 / &FB2
Klemmenplan &EMA &MA1
Kabelübersicht &EMB &MB1
Schlauchliste &MMB &MB2
Betriebsmittelliste &EPB &PB1
Stückliste Elektro / Fluid &EPC / &MPC &PC1 / &PC2
Schaltschrankaufbau / Modellansicht &ELU &LU1

Für die Umstellung sollten Sie diese Stellen prüfen:

  • Strukturkennzeichenverwaltung: neue Kennzeichen und Beschreibungen für die Dokumentenart anlegen.
  • Projektvorlagen und Basisprojekte: Seitenstruktur und Vorbelegung umstellen.
  • Normblätter und Formulare: Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und alle Formulare, die den Klassenschlüssel oder seine Beschreibung ausgeben.
  • Auswertungen und Schemata: Filter und Sortierungen, die auf &E… oder &M… aufbauen.
  • Seitenmakros und Generierungsregeln: Makros mit Seiten sowie Konfiguratoren, die Projekte automatisch erzeugen (z. B. MD3).
  • Gewerke-Unterscheidung: Wo bisher A1 zwischen Elektro und Fluid unterschieden hat, übernimmt das künftig die Struktur (=) oder ein Gewerkeschlüssel – nicht die Nummer.
  • Kunden- und Werknormen: Viele Auftraggeber schreiben die DIN EN 61355 noch vertraglich vor. Klären Sie, welche Norm im Projekt gilt.

Unsere Empfehlung

Bis Ende Januar 2028 dürfen beide Normen parallel angewendet werden. Bestandsprojekte müssen Sie nicht sofort umstellen. Neue Standards, Projektvorlagen und Konfiguratoren sollten aber direkt auf die DIN EN IEC 81355-1 aufsetzen – sonst steht die Umstellung in spätestens zwei Jahren ein zweites Mal an. Da die Dokumentenart in Eplan ein Teil der Strukturkennzeichnung ist, lohnt es sich, die Umstellung zusammen mit der Strukturierung nach DIN EN IEC 81346 zu betrachten.

Mehr im ibKastl-Wiki

Weitere Informationen, Beispielen und einer Zuordnung zu Eplan-Seitentypen finden unsere Kunden im Wiki:

  • DIN EN IEC 81355-1 – Informationscontainerkennzeichen, alle ICC-Klassen mit Vorgängerklasse, Darstellungsformen
  • DIN EN 61355 – die bisherigen DCC-Klassen zum Vergleich

Sie möchten Ihre Eplan-Vorlagen auf die neue Norm umstellen oder Ihre Strukturierung grundsätzlich überarbeiten? Sprechen Sie uns an.

Von Veröffentlicht am: 2026-10-12Kategorien: Firma0 Kommentare on DIN EN IEC 81355-1: Was ist neu?

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